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Gegen die Benachteiligung „von Menschen mit Uterus“

oder: Die Zukunft muss weiblicher und jünger werden

Mündigen Wahlbürgern, die sich den Luxus leisten, Bundestagsdebatten und Parteitage live via Phönix, und damit ungeschnitten und unkommentiert zu beobachten, drängt sich zusehends der Eindruck auf, der politische Betrieb habe, über Partei- und Geschlechtergrenzen hinweg, zwischenzeitlich eine konsensfähige Positionierung gefunden: Die Zukunft mit all ihren Risiken, Unwägbarkeiten und Chancen kann nur erfolgreich gemeistert werden, wenn die uns repräsentierenden Entscheider weiblicher und jünger werden. Ich persönlich habe meinen Beitrag in dieser Richtung bereits geleistet: Durch meinen Austritt ist die SPD statistisch jünger und weiblicher geworden. Den von Andrea Nahles – der jüngsten und weiblichsten SPD-Vorsitzenden aller Zeiten – angeführten Weg in die politische Bedeutungslosigkeit, wird es nicht aufhalten.

Reproduktive Gerechtigkeit statt Frauenhass
Eine von der AFD beantragte aktuelle Stunde zum sog. „Paritätsgesetz“ in Brandenburg, nutzte heute Doris Achelwilm (Linke), um noch einmal genau zu erklären, worum es den Frauen im Kern geht: Gegen die allgegenwärtige strukturelle Benachteiligung von Frauen, gelte es Regeln zu finden, „dass Frauen und Männer in möglichst gleicher Zahl im Parlament vertreten sind“. Quotiert besetzte Parlamente seien eine „Frage der Gerechtigkeit“. Selbst historische Irrtümer wie die steuerliche Benachteiligung „von Menschen mit Uterus“ (gemeint ist tatsächlich die Mehrwertsteuer auf Damenbinden) würden von geschlechtergerecht besetzten Parlamenten kurzfristig abgeschafft, prophezeit die Bremer Sprachwissenschaftlerin.

Im Frauenbild der AFD (siehe Plakat: Vater, Mutter, Kinder!) sieht sie „Angriffe von rechts gegen die reproduktive Gerechtigkeit, die körperliche Selbstbestimmung von Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter“. 

Hier beginnt vermutlich mein Problem: Während ich sexistischer Einfaltspinsel z.B. das obenstehende AFD-Plakat aus 2018 und das damit verbundene familienpolitische Leitbild binnen Sekunden verstanden habe, musste ich den den Begriff „reproduktive Gerechtigkeit“ erst einmal googeln.

Ein Hinweis, was zumindest die Linke unter „reproduktiver Gerechtigkeit“ versteht, findet sich über die Webseite der Bundestagsfraktion.

Reproduktive Gerechtigkeit
Die Debatte um reproduktive Gerechtigkeit (reproductive justice) – in den USA von schwarzen Frauen vorangebracht – bringt sexuelle Selbstbestimmung, reproduktive Rechte und soziale Gerechtigkeit zusammen. Denn für viele Frauen ist das Recht, Kinder zu bekommen und aufzuziehen, ähnlich prekär wie das Recht, ungewollte Schwangerschaften zu beenden. Was heißt das? Auf Sozialleistungen angewiesenen Frauen wird das Kindergeld von Hartz IV abgezogen. Bis heute gibt es Zwangssterilisierung von Frauen mit Behinderung. Eltern von Kindern mit Behinderung sowie Alleinerziehende erfahren zu wenig gesellschaftliche Unterstützung. Vielerorts fehlt es an Hebammen und Geburtsstationen, damit Frauen selbstbestimmt gebären können. Lesbische und Single-Frauen haben nicht den gleichen Zugang zu reproduktiver Medizin wie heterosexuelle Paare. All dies wollen wir ändern.

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